Theaterhaus G7

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DER WALD

Drei Freiheits-Kooperationsprojekte von April bis Juli 2020 im Theaterhaus G7
DER WALD ist ein Projekt im Rahmen von Tor 4 – BASF fördert Kunst

 

Wie Vögel ziehn wir durch die Welt
wir wandern, jung und alt,
wir brauchen nicht groß Gut und Geld,
wir brauchen nur den Wald;
der Wald ist unser Haus und Dach,
wir haben Herd und Schlafgemach,
im Wald, im Wald, im Wald, im Wald!

(Volksweise)

Der Wald würde dich töten, wenn du ihn lässt,
pass auf, dass du nie die betonierten Wege verlässt.

(Antilopengang, Beton)

das einhorn meidet den deutschen wald.

(Said, Dieses Tier, das es nicht gibt)

 

Freiheit ist mehr als man darf – das ist ein Graffiti, das wir in Graz gefunden haben.

Der Satz macht Türen auf – im Kopf des Betrachters. Er lässt Fragen entstehen: Was heißt das für mich? Für die Gesellschaft? Für das Leben auf diesem Planeten? Es ist ein toller Satz, der auf einer Wand steht. Und damit steht er in mehrfacher Hinsicht für das, was er aussagt. Denn Graffitis sind illegal und dem Urheber droht eine Strafe. Hier hat jemand eine Grenze überschritten. Im schlimmsten Fall kommt er dadurch vor Gericht. In unserer – ach so freien – Gesellschaft ist weniger erlaubt, als man so meint. Beim Nachdenken über Freiheit stößt man sehr schnell auf viele Unfreiheiten, die unser Leben bestimmen und einengen. Wenn man sich „die falschen Freiheiten“ nimmt, gerät man schnell in die Nähe zu Verbrechern, Outlaws und von der Gesellschaft Verstoßenen. Unsere Welt ist voller Regeln und Gesetze, die das gesellschaftliche Zusammenleben organisieren. Sie lassen fast automatisch die Sehnsucht nach Orten entstehen, die für das Gegenteil stehen, für „Freiheit“.

Ein besonderer Sehnsuchtsort, der für Freiheit steht, ist der Wald. Er steht für eine faszinierende Mischung aus Abenteuer, Geheimnissen und Legenden von Fabelwesen, Räubern und Gefahr und hat dadurch eine große Anziehungskraft.
Im Wald da sind die Räuber…“ – das gilt anscheinend bis auf den heutigen Tag. 2006 findet sich im „Spiegel“ ein Bericht über einen Mann, der sich vier Jahre lang im Wald versteckte und sich durch Raubzüge in umliegende Laubenkolonien versorgte. Schon der berühmte Schinderhannes profitierte vor 200 Jahren vom (Oden-)Wald und von der Natur, genauso wie die Räuber in Schillers berühmtem gleichnamigem Stück, bis hin zu Helden- und Märchenfiguren wie Robin Hood.
Offenbar bietet der Wald bis heute Schutz und Versorgung. Die Natur entscheidet nicht darüber, wer gut oder schlecht ist; das tut nur der Mensch. In der deutschen Kunst- und Kulturgeschichte seit dem frühen 19. Jahrhundert ist der Wald eines der tragenden Motive. Er wurde als Gegenentwurf zum urbanen Leben empfunden. Eben als Frei-Raum.
Nicht umsonst ist er ein wichtiger Akteur in fast allen Volksmärchen. Er ist nicht nur der Ort, an dem der Märchenheld eine (innere) Wandlung vollzieht, sondern auch Rückzugsort in einer sich wandelnden Gesellschaft. Auch das gilt bis heute: die Wildnis wird betrachtet als faszinierende Mischung aus Freiheit und Abenteuer. In unserer durchgetakteten Leistungsgesellschaft wird der Wald als Ort der Ruhe und Erholung beworben: die ‚wilde‘ Natur als anscheinend letztes Rückzugsgebiet!

Der Wald dient uns als Ausgangsort für die Beschäftigung mit der Frage danach, „wie Freiheit wirklich geht“. Er dient einerseits als Ort für die Ermöglichung eines Perspektivwechsels in Bezug auf unsere Gesellschaft und andererseits als Projektionsfläche für die Untersuchung von unterschiedlichen Freiheitsentwürfen und Sehnsüchten. In drei Kooperationsprojekten beschäftigen wir uns ab April 2020 drei Monate lang mit ganz unterschiedlichen Ansätzen zum Thema Freiheit. Wir laden Künstler*innen ans Haus ein, verschiedene Projekte zu realisieren.

Das junge Duo Vicki Bernhard und Janna Pinsker wird sich in der Räuberschule in Workshops und angeschlossenen performativen Aktionen im öffentlichen Raum mit dem Motto „Freiheit ist mehr als man darf“ auseinandersetzen.

Mit der Schauspiel-Produktion Freiheit aushalten, die sich mit Freiheitskämpfern aus Schillers Dramen bis in die heutige Wirklichkeit beschäftigt, geben wir dem jungen Regisseur Caner Akdeniz die Möglichkeit, mit vier Schauspielern eine Stückentwicklung zu erarbeiten.

Und in dem Projekt Waldbahn in die Freiheit setzen wir die Zusammenarbeit mit den beiden Künstlern Christoph Theussl und Matthias Lenz fort, die im letzten Jahr an unserem „Besser Scheitern“-Projekt beteiligt waren. Sie werden uns einen Wald in den Hof zaubern und darin eine Art Stationentheater errichten, dass sich mit den vielseitigen Interpretationsmöglichkeiten des Waldes in Bezug auf einen Freiheitsbegriff und die Grundfrage, inwiefern der Wald unserer Sehnsucht nach Freiheit heute noch gerecht wird beschäftigt.

Genauere Infos folgen bald!